Freiheit des Christen

Geschrieben am 12.Sep 2006 in Denk nach!, Glaube    Drucken Drucken

Ich hab mich heute für unseren Hauskreis vorbereitet, das Thema fand ich so wichtig, dass ich es niederschreiben wollte, damit ich es nicht verliere:

Galater 2, 11-21

11 Doch als Petrus nach Antiochia kam, musste ich ihm offen entgegentreten und ihn ernsthaft zur Rede stellen, denn was er tat, war falsch. 12 Nach seiner Ankunft hatte er zunächst noch mit den Gläubigen, die unbeschnitten waren, zusammen gegessen. Als jedoch einige jüdische Freunde von Jakobus eintrafen, hatte er nicht mehr den Mut dazu, weil er die Missbilligung der jüdischen Gläubigen scheute. 13 Daraufhin verhielten sich die anderen Juden genauso heuchlerisch, und sogar Barnabas ließ sich von ihnen beeinflussen. 14 Als ich sah, dass sie sich nicht an die Wahrheit der Botschaft Gottes hielten, sagte ich vor allen anderen zu Petrus: “Wenn du als gebürtiger Jude die jüdischen Gesetze hinter dir gelassen hast und wie ein Nichtjude lebst, warum verlangst du dann von diesen Nichtjuden, die jüdischen Gesetze zu befolgen, die du aufgegeben hast? 15 Du und ich, wir sind Juden durch Geburt, keine gottlosen Menschen wie die aus den anderen Völkern. 16 Und doch wissen wir, dass der Mensch vor Gott nicht durch das Halten des Gesetzes gerecht gesprochen wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sind zum Glauben an ihn gekommen, damit wir durch diesen Glauben von Gott angenommen werden, und nicht etwa, weil wir dem Gesetz gehorcht haben. Denn durch das Befolgen des Gesetzes wird niemand vor Gott gerecht.”

17 Aber was ist, wenn wir durch den Glauben an Christus vor Gott gerecht werden wollen und dann feststellen, dass wir immer noch Sünder sind? Hat Christus uns etwa in die Sünde geführt? Natürlich nicht! 18 Ich mache mich vielmehr selbst schuldig, wenn ich das alte System wieder aufzurichten versuche, das ich schon abgerissen hatte. 19 Durch das Gesetz werde ich verurteilt, weil ich es nicht erfüllen kann. Ich aber bin mit Christus gekreuzigt, sodass ich jetzt nicht mehr unter dem Gesetz stehe, sondern für Gott lebe. 20 Ich lebe, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Ich lebe also mein Leben in diesem irdischen Körper im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich geopfert hat. 21 Ich gehöre nicht zu denen, die die Gnade Gottes gering achten. Denn wenn wir durch das Gesetz gerettet werden könnten, hätte Christus nicht sterben müssen.

Ziemlich langer, ja fast erschlagender Abschnitt, aber ein äußerst wichtiges Thema, vor allem für russlandsdeutsche und andere traditionsgeprägte Gemeinden.

Im ersten Teil, von Vers 11-16, beschreibt die Bibel Paulus Auseinadersetzung mit Petrus, weil Petrus wissentlich falsch handelt.

Dazu habe ich mir notiert:

1.) Petrus hatte die Wahrheit des Evangeliums bereits erkannt!

  • Apg 11,1-5ff + 17
  • Apg 15,7-11

Hier wird berichtet, wie Petrus selbst dafür einsteht, dass er von Gott berufen wurde, den Heiden, also uns Nicht-juden, Gottes Wort zu überbringen (Die traditionellen Juden denken bis heute immer noch, dass GOTT nur IHR Gott ist und wir kein Recht an ihm haben, wenn wir nicht den jüdischen Gesetzen folgen).

2.) Petrus wurde von Gott selbst dazu gebracht, das mosaische (Zeremonials-)Gesetz aufzugeben!

  • Apg 10,9-22

3.) Petrus Beweggründe für seinen Rückzug von den Heiden

  • Furcht vor den Juden
  • Furcht vor Schädigung des eigenen Rufs

Petrus beugt sich der “Diktatur der Schwächeren” und widerspricht damit dem Evangelium, dadurch zieht er alle übrigen Juden mit sich, sogar Barnabas, der “Sohn des Trostes”, fällt in die Heuchelei mit ein (=Sünde!)
Paulus fasst Mut und widersteht Petrus öffentlich (Petrus war ja mit Jesus dabei, er kannte ihn persönlich, Paulus hatte nicht soviel Zeit mit Jesus verbracht)

Petrus’ Verhalten kann man sehr wohl als ein schlimmes Ereignis bezeichnen. Obwohl er genau wusste, wie Gott denkt und was Gott im Hinblick auf die Errettung verlangt, beugt er sich aus Furcht vor den gesetzlichen Judenchristen.

Er handelt entgegengesetzt dem Evangelium, zeigt mit seinem Handeln, dass das Einhalten der mosaischen Gesetze immer noch von Bedeutung ist und verwirrt damit die Menge der Heiden und Juden, mit denen er zuvor täglich Gemeinschaft hatte.

Aktuelle Beispiele?

  • Der Umgang mit (Noch-)Nichtchristen in der Anwesenheit von gesetzlichen Gläubigen
  • Aufgeben von Dingen, die man als Richtig erkannt hat, wenn gesetzliche Gläubige dabei sind (Achtung! Unterscheiden zwischen “Aufgeben aus Liebe zum Nächsten” und “Aufgeben aus Furcht (vor der Einschätzung des eigenen Glaubensstandes, die der Nächste machen könnte)”

Warum halten manche Leute “Extra-Gesetze”? Ganz einfach: Man will besser sein, sich besser fühlen oder sich vor den anderen als besser zeigen. Und wenn diese Methode schon von anderen betrieben wird, muss man mitziehen, um gleich gut zu sein. man hat ANgst, von den anderen schief angeschaut zu werden, dass andere schlecht über dich reden. Ist das das Evangelium?

Manche versuchen, Gott noch besser zu gefallen, indem sie alle seine Gesetze und Gebote aus dem mosaischen Gesetz herausfiltern und diese dann zusätzlich zum Glauben einhalten, “weil Gott es ja schon früher so wollte, und Gott ist ja gestern, heute und morgen derselbe…”

Wer so argumentiert, muss sich klar vor Augen stellen: Als Christen sieht Gott uns immer DURCH Jesus Christus.

  • Christus hat die Strafe des Gesetzes (den Tod) auf sich genommen und starb (wir mit ihm). Er erfüllte das Gesetz vollständig (wir, sofern wir an ihn glauben, also auch).
  • Er auferstand zu neuem Leben und steht nun nicht mehr unter dem tötenden Gesetz, denn er hat die Schuld ja bereits mit dem Leben bezahlt – wir durch ihn auch!
  • Wer NUN, wo doch schon alles bezahlt und erledigt ist, weiterhin versucht, durch das Halten verschiedener Gesetze noch gerechter zu werden, wird bald sehen, dass dies nach hinten losgeht: Man ist einfach nicht imstande dazu. Die eigenen Anstrengungen werden sich als ungenügend erweisen, und schon steht man wieder unter dem Fluch, nicht genug getan zu haben, um in den Himmel zu kommen.

Die Freiheit in Christus in ÜBERLEBENSWICHTIG!!!, denn wenn wir wieder versuchen, durch eigene Taten gerecht vor Gott zu werden, werden wir irgendwann niedergeschlagen aufgeben müssen und können so den Glauben verlieren! (Trotz Calvin!)
Beispiele für “gute Taten”, durch die Manche versuchen, gerechter (Vor anderen Menschen oder Gott) zu werden:

  1. Einhalten bestimmer Kleiderordnungen (als Christ ordentlich zu sein ist eine Frucht des Geistes und wird automatisch durch Gottes Geist hervorgebracht. Ein Rückschluss ist aber nicht richtig: man darf nie sagen: Der oder Die ist ungeistlich, weil er oder sie sich anders kleidet als ich es für richtig sehe!)
  2. Einhalten bestimmter Rituale (Beichte, Pilgerreisen, kein Ehering tragen DÜRFEN, ständig und überall Kopfbedeckung haben zu MÜSSEN, usw)
  3. sogar Dinge wie: Durch das lange, knieende Gebet steigt man höher in Gottes Gunst…

Dies entspricht alles nicht dem wahren Evangelium Jesu Christi, denn er selbst distanziert sich von diesen Äußerlichkeiten!:

Worum gehts? Markus 7,3-5

3 Die Juden, besonders die Pharisäer, essen nicht, bevor sie sich nicht Wasser über die Hände gegossen haben, wie ihre überlieferten Satzungen es vorschreiben. 4 Auch essen sie nichts von dem, was sie auf dem Markt gekauft haben, bevor sie nicht ihre Hände in Wasser getaucht haben. Das ist nur eine von zahlreichen Satzungen, an denen sie festhalten – wie zum Beispiel an dem Brauch, Becher, Krüge und Kupferkessel auszuspülen. 5 Deshalb fragten nun die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus: “Warum befolgen deine Jünger unsere überlieferten Vorschriften nicht? Denn sie essen mit ungewaschenen Händen.”

Genau die gleiche Geschichte! Irgendjemand hält sich für heiliger, weil er bestimmte Vorschriften gründlicher befolgt als der andere. Was sagt Jesus dazu? Markus 7, 18-21:

“Begreift ihr nicht, dass nichts, was der Mensch isst, ihn verunreinigen kann? 19 Die Nahrung kommt nicht mit seinem Herzen in Berührung, sondern geht nur durch den Magen und wird dann wieder ausgeschieden.” Damit erklärte Jesus alle Speisen für erlaubt. 20 Und er fuhr fort: “Es sind seine Gedanken, die den Menschen verunreinigen. 21 Denn von innen, aus dem Herzen eines Menschen, kommen böse Gedanken wie Unzucht, Diebstahl, Mord, usw…”

Es geht niemals in erster Linie um Äußerlichkeiten. Auch nicht wenn es im alten Testament um Äußerlichkeiten geht.

Die Logik der Gesetzlichen lautet:

“Sei äußerlich gut, dann wirst du einer guter Gläubiger sein!”

Denn wenn du immer ordentlich gekleidet bist, keinen Schmuck trägst, das Hemd bis oben zugeknöpft hast, keine Musik mit Schlagzeug hörst, keinen Tropfen Alkohol trinkst, dann MUSST du ja schon ein guter Mensch sein!

Wenn dieser Satz auch in deinem Kopf als logisch klingt, dann muss Jesus Christus nicht für dich gestorben sein. Du musst dann ja wirklich schon ein guter Mensch sein! Aber: Er musste eben doch für dich sterben.

Nun etwas zur Entspannung:

Freiheit in Christus bedeutet, dass man etwas tun kann oder auch nicht tun braucht, man ist freigestellt. Das schließt das Recht mit ein, auch Rituale halten zu dürfen! Paulus macht das selbst in Apg 21:

19 Nachdem Paulus sie begrüßt hatte, erstattete er einen ausführlichen Bericht über alles, was Gott durch sein Wirken unter den Nichtjuden vollbracht hatte. 20 Als sie das gehört hatten, lobten sie Gott. Dann aber sagten sie: “Du weißt, lieber Bruder, wie viele Tausend der Juden gläubig geworden sind, und sie alle nehmen das Gesetz Moses sehr ernst. 21 Unseren jüdischen Christen hier in Jerusalem hat man erzählt, ihr würdet die Juden, die außerhalb Israels leben, lehren, sich von den Gesetzen Moses abzuwenden. Sie behaupten, dass die Leute aufgrund eurer Lehre ihre Kinder nicht mehr beschneiden und auch andere jüdische Bräuche nicht mehr halten. 22 Was ist da zu tun? Denn sie werden ganz sicher erfahren, dass du gekommen bist. 23 Deshalb ist dies unser Vorschlag: Wir haben hier vier Männer, die ein Gelübde abgelegt haben und sich den Kopf scheren lassen werden. 24 Geh mit ihnen zum Tempel, schließe dich ihrer Reinigungszeremonie an und bezahle, was nötig ist, damit sie sich scheren lassen können. Dann werden alle wissen, dass sämtliche Gerüchte falsch sind und du selbst die jüdischen Gesetze hältst. 25 Was die nichtjüdischen Gläubigen betrifft, so verlangen wir von ihnen nur, was wir ihnen bereits in einem Brief mitgeteilt haben: Sie sollen nichts essen, was Götzen geopfert wurde, sollen weder Blut noch Fleisch von nicht ausgebluteten Tieren verzehren und sich von aller Unzucht fern halten.” 26 Paulus war mit ihrer Bitte einverstanden, unterzog sich am folgenden Tag mit den vier Männern der Reinigungszeremonie und ging zum Tempel. Dann gab er öffentlich das Datum bekannt, wann ihre Gelübde enden und für jeden von ihnen Opfer dargebracht werden würden.

Nach diesem Abschnitt könnte ein ganz großes Fragezeichen kommen: Ja, stimmt Paulus denn nicht selbst der Einhaltung des jüdischen Gesetzes zu, indem er die Zeremonie mitmacht? Damit sehen ja die Juden, dass Paulus auch dafür ist!

Im Gegensatz zu Petrus schleicht Paulus sich nicht von den Nichtjuden weg und tut dies auch nicht aus Furcht vor den Juden. Sondern er weiß, dass er frei ist, diese Zeremonie zu tun oder sie zu lassen. Vor Gott ist er frei. Vor Gott wird sie ihn nicht heiliger machen oder weniger heilig erscheinen. Er ist frei! Sind wir auch so frei? Oder haben wir immer damit zu kämpfen “Ich muss es tun, was sagen sonst die anderen?”

Man kann Rituale ruhig halten, aber man darf nie in die Versuchung kommen, dadurch besser sein zu wollen als andere, die die Rituale nicht halten. Dies entspräche einem falschen Evangelium, das Paulus knallhart in Galater 1 verurteilt!

Fazit:

  1. Christus stirbt, hat das Gesetz erfüllt und alles bezahlt, was es verlangte.
  2. Christus ist dem Gesetz nun nichts mehr schuldig (sowie unsere menschlichen Gesetze keine Ansprüche mehr an einen Toten stellen können – mit dem Leben hat man alles bezahlt, was man konnte.)
  3. Christus ist nun freigesprochen.
  4. Christus ist ab jetzt von jeder weiteren Strafe frei, ihm kann nichts mehr etwas anhaben.
  5. Christus steht auf zum neuen Leben, er bleibt ewig im Himmel.

Hast du vollständig begriffen, worum es geht? Es ist wirklich nicht leicht, auch ich tue mich sehr schwer damit. Aber -
Wenn du an Jesus glaubst, sieht Gott dich nun in seinem Licht. Setze deinen Namen anstatt Christus oben ein. Ist es nicht schön, frei zu sein, und nicht mehr machen zu müssen, was das Gesetz verlangt?

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Eine Meinung zu “Freiheit des Christen”

  1. rob 13 September 2006 at 00:44 #

    Selbst für mich ist es schwer, den eigenen Worten zu folgen…

Wie ist deine Meinung dazu?


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