Über Evangelisationen und andere Herzmassagen
Heute startet wieder das “normale” Leben.
Letzte Woche ab Mittwoch war wirklich klasse. Abends zumindest immer, denn ab 19.30 Uhr begannen jeden Abend die Vorträge mit Wilhelm Pahls. Auch als bereits wiedergeborener Christ konnte ich viel dabei lernen.
Wilhelm Pahls hat eine mächtige Gabe: Durch seine liebevolle, sanfte, aber eindringliche und ernste Verkündigung werden Menschen wirklich überzeugt, Gott und seinem Sohn Jesus zu glauben. Zu glauben, dass es nach dieser Welt erst richtig los geht. Ein neues Leben zu beginnen, ganz von vorne, von Null auf. Wieviele Menschen wünschen sich das – und schaffen es doch nie, wiel sie es auf Ihre Art machen wollen…
Jeden Abend konnte Wilhelm Pahls zwischen 5 und 10 Menschen zu dem Mut bewegen, einen neuen Lebensanfang zu starten. Das klingt vielleicht nicht nach viel (Bei der Friedensstimme sind es pro Treffen an die 100 Leute, – warum, möchte ich gleich erörtern), aber es ist qualitativ, nicht quantitativ.
Qualitativ ist es, weil die Menschen nicht erst “massiert” werden, bis sie eeendlich drauf eingehen. Mit Massage mein ich, dass dem Menschen entweder Angst gemacht wird oder dass man einfach solange ergreifende, traurige, drückende Moll-Lieder singt, dass der Mensch halt nach vorne geht.
Meiner Meinung nach bräuchte dann der Evangelist da nicht vorne zu stehen und zu predigen. Es würde reichen, wenn man jemanden, wirklich EGAL wen, da hin stellt, der ausrufen solle “Bekehrt euch, wenn ihr nicht verloren gehen wollt” und Dann – und darauf kommts jetzt an – diese Lieder anstimmt, am Besten mindestens drei, nach jeder Strophe ne Pause macht und dann den Leute den gleichen Satz da oben immer wieder vorsagt. Ich sag euch, da werden Leute nach Vorne gehen! Einfach so! Natürlich kann man sagen, sie werden in dem Moment eben durch den Geist Gottes getrieben, der durch die Lieder zu Ihnen spricht.
Aber man könnte es genausogut wie einen Psychotrick sehen. Es ist ganz einfach, dem auf den Grund zu gehen oder auf den Zahn zu fühlen und sich davon zu überzeugen, dass ich Recht habe:
Nach einer solchen Evangelisation soll der Evangelist einmal NICHT diese “herzzerreißenden” Lieder singen lassen, sondern Lieder in DUR-Tonart, die aber den gleichen Textinhalt haben. Auf deutsch: Wir ändern nur die Melodie, der Text bleibt derselbe. In der Bibel steht ja, dass Menschen sich durch die PREDIGT bekehren, also durch das Wort. Und genau das Wort lassen wir ja gleich – wie gesagt – wir ändern nur die Melodie.
Was nun passieren wird, wird euch vielleicht erstaunen, mich nicht. Es werden nun nämlich deutlich weniger Leut enach vorne kommen. Das ist keine Theorie, die ich hier aufstelle, das hat sich schon auf den letzten 5 Konferenzen bewahrheitet. Nach einem traurigen Lied wurde nämlich eins mit fröhlicher Melodie angestimmt, es hatte allerdings einen aufrufenden Text. Und schon ging der Strom der “Kommenden” zurück. Natürlich bemerkte das der Evangelist und ließ noch ein Lied dranhängen. Und schon kamen sie wieder…
Wilhelm Pahls macht das bewusst anders, er appelliert nicht explizit an die Gefühle des Menschens (die einen ab und zu zu den verrücktesten Entscheidungen führen können), sondern er appelliert explizit an den Verstand des Menschen. Und sogar an sein Kosten/Nutzen-Denken! Und dann, wenn der Mensch genug an Nachdenk-Nahrung bekommen hat, lässt Pahls ihm die freie Wahl. Willst du das annehmen? Hat dir dein eigener Kopf gesagt, dass es durchaus von Nutzen ist, Frieden mit Gott zu schließen? Hat dir dein Herz gesagt, dass du Sünden hast, die dich aber von Gott trennen? Und zu guter letzt: Siehst du das ein?
Wenn dann die Antworten auf alle Fragen “Ja” lauten, dann läd er die Zuhörer ein, nach dem Vortrag ganz einfach zum Gespräch zu kommen. Er werde garantiert keine peinlichen Fragen stellen oder ihn in irgendeiner Weise bloß stellen. Sondern einfach noch einmal das Evangelium erklären und dann, wenn er den Eindruck hat, dass der Mensch es verstanden hat, ihn danach fragen, ob er das auch glaubt – und vor allem, ob er es will. Ob er die Vergebung will. Meistens, nicht immer, sagen die Menschen ja.
Hier ist nichts mit Herzmassage. Hier wird qualitativ vorgegangen, um sicher zu sein, dass die Leute auch verstanden haben, auf was sie sich jetzt einlassen. Sie werden nicht alleine gelassen, sondern man fragt wirklich, ob sie es ernsthaft machen und wirklich wollen. Und solche Menschen sind eben einfach immer weniger, als die, die sich durch irgendwelche Melodien zu einer unüberlegten Handlung hinreißen lassen.
Qualität, nicht Quantität.
Durch diese Evangelisation kamen also etwa 35-50 Menschen zum Glauben und zu neuem Leben. Das ist, wie als ob 50 neue Menschen geboren werden. Eltern freuen sich über ihr neugeborenes Baby. Wie sehr freut Gott sich – ja, sogar noch mehr: Die Bibel sagt: “Und es wird Freude bei den Engeln im Himmel sein über einen, der seine Sünden einsieht und sie bekennt” Gewaltig. Der ganze Himmel ist in Bewegung, wenn ein Mensch kommt…wow.
Nagut, dann mach ich mal schluss. Kommentare und weitere Fragen zur Evangelisation sind willkommen!
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Ich finde das gut, dass Du die Evangelisierugsmethoden kritisch reflektierst. Wenn Du zu deiner Beobachtung von der Korrelation (Zusammenhang) zwischen Tonart der Lieder und Anzahl der Bekehrten noch eine empirische Studie (aufschreiben, zählen, dokumentieren) und einen statistischen Signifikanztest (war der Stichprobenumfang groß genug um eine verlässliche Aussage zu treffen) vornimmst können wir das ganze in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlichen. Wie wär’s?
Hehe…und morgen ist Ostern;-) Nee, wir machen über geistliche Dinge keine wissenschaftlichen Aussagen – Gottes ist da grenzenlos und überwindet alle wissenschaftliche Erkenntnisse. Es war nur eine Beobachtung meinerseits, die mir Bedenken gab…