Wie spricht man mit Freunden über den Glauben?

Geschrieben am 17.Mai 2009 in Denk nach!, Freunde, Glaube, Mein Tag    Drucken Drucken

In Room 656Letzten Mittwoch auf unserem Schulungsseminar in Dresden ergab’s sich, mal zur Abwechslung nicht in die Stadt zu gehen, sondern auf dem Zimmer zu bleiben. Irgendwann vorher im Laufe des Tages hatte ich – eigentlich nur so – angekündigt, eine Viertelstunde Bibellese machen zu wollen. Meine Kommilitonen waren nicht abgeneigt und so kam es, dass wir wirklich abends zusammensaßen und ich meine kleine Pocket-Bibel in der Hand hatte. Natürlich hat das Buch ein paar Seiten, sodass ich nicht wirklich auf etwas spezielles festgelegt war. Zur Auflockerung wollte ich jedoch mal was aus den Sprüchen vorlesen, um auf die “Normalität des Vergnügungsdrangs unter Gebrauch von Alkohol in jeder Generation” einzugehen. Ich las also Sprüche 23 ab Vers 31 bis 35. Kam gut an, weil es humorvoll geschrieben ist.

Anschließend wollte ich aber mehr auf ein wichtigeres Thema eingehen und las das Gleichnis vom Hirten, der ein Schaf verliert und seine 99 dann stehen lässt, nur um dieses eine zu suchen. Die Pointe dabei: Der Himmel freut sich über jeden Menschen, der seine Schuld einsieht und umkehrt. Wohl gibt es aber mehr Menschen, die sich (noch) keiner Schuld bewusst sind und dieses Angebot deshalb ignorieren, weil sie einfach keine Notwendigkeit darin sehen.

Was war mein Ziel an diesem Abend?

Ich bin mir ganz sicher, dass ich niemanden bekehren will, weil ich weiß, dass ich das überhaupt nicht kann. Es gibt nichts, was ich sagen oder gar belegen kann, damit sich ein Mensch in seinem Denken zum Glauben wendet. Eher das Gegenteil wird der Fall sein: Umso mehr ich selbst versuche, jemanden zu überzeugen, desto mehr wird diese Person auf dem eigenen Standpunkt verharren, um sich natürlich nicht vor anderen bloßzustellen.

Meine Erfahrung ist, dass es auf zwei andere Aspekte ankommt, bevor jemand überhaupt dazu bereit ist, sich wirklich persönlich mit Gott zu beschäftigen:

  1. Man muss von den Taten anderer Menschen sehen, dass sie anders sind. Sie handeln anders, sie machen die Welt durch ein hohes Moraldenken jeden Tag ein Stückchen besser, ganz einfach gesagt: Sie zeigen eine Art von Liebe zu ihren Mitmenschen, die “nicht von dieser Welt” ist und die man einfach nicht erwartet. Auch in schweren Situationen versprühen sie eine Art Frieden, der unverständlich ist. Man fragt sich dann: Woher kommt das? Warum ist der Mensch so? Woher hat er nur diese Ruhe? Und man wünscht sich, auch so zu werden.
  2. Der zweite Aspekt ist Gottes Wort (die Bibel). [slider title="Ist sie fehlerhaft?"]Es bestand die Meinung, dass durch das wiederholte Abschreiben der Bibel dermaßen Fehler entstanden sind, dass das “heilige Buch” keineswegs mehr heilig sein kann. Ich zeigte jedoch auf, wie die Prozedur des Abschreibens vor sich ging und dass schon beim geringsten Fehler alles von vorne begonnen wurde. Sogar heute noch werden die heiligen Schriften im Judentum nicht von Hand gelesen sondern mit einem kleinen, goldenen Stab, der entlang des gelesenen Textes geführt wird.[/slider]
    Die Bibel ist sehr wohl ein lebendiges Buch. Sie verändert Menschen alleine durchs Lesen. Wer’s nicht glaubt – ich selbst bin das beste Beispiel dafür, und jeder kann es an sich selbst ausprobieren. Am besten im Neuen Testament im Johannesevangelium starten.
    Wer bei Gesprächen also nur auf seine eigene Argumentationsweisheit baut, merkt sehr schnell, dass er kurz darauf in die Ecke gezwungen wird, weil er keine vernünftigen Antworten geben kann. Es ist wichtig, mit der Bibel zu arbeiten, auch bei Gesprächen, denn die Weitergabe des Wortes kann Glauben bewirken, eigene Argumentationen stehen dem sogar oft im Wege.

Mein Ziel an diesem Abend war es, den Leuten mal was mitzugeben, was sie so wohl nicht so schnell wieder bekommen würden: Stoff zum Nachdenken und zum Abwägen. Ich wollte aber auch mich selbst auf die Probe stellen und sehen, inwieweit mein Glauben kritischen Fragen standhalten würde.

Was waren die Hauptfragen des Abends?

Nachdem ich den Bibeltext beendet habe, gab es viele Fragen. Es waren 5-6 Personen außer mir im Zimmer, dann und wann kamen welche dazu oder gingen. Die Fragen die aufkamen, waren auch verschiedenener Art: Manche wollten provozieren, andere waren rhetorische Fallen, wieder andere waren absolut ehrlich und verlangten eine Antwort, wieder andere waren Informations-Fragen. Hier sind einige:


[slider title="Warum gibt es JETZT keine Prophezeiungen mehr?"] Weil keine mehr benötigt werden. Mit der Bibel, die wir in der Hand halten, ist alles gesagt, was gesagt werden muss. Die dort enthaltenen Prophezeiungen sind zu einem großen Teil erfüllt, erfüllen sich gerade jetzt in unserer Zeit und werden sich noch erfüllen. Siehe hier ganz besonders das Buch Daniel und die Offenbarung.[/slider]


[slider title="Wer hat entschieden was in die Bibel kommt und was nicht?"]

Hier lag ich mit meiner Antwort wohl falsch. Ich selbst hatte mitbekommen, dass es durch ein Konzil bestimmt wurde. Nach einer Recherche fand ich jedoch dies:

Zunächst ist wichtig, folgendes festzuhalten: Niemals haben irgendwelche Führer in der Vergangenheit, auf welchem Konzil auch immer, “bestimmt” oder “festgelegt”, welche Bücher in den Kanon aufgenommen werden müssten und welche nicht. Sie konnten höchstens feststellen, welche Bücher aufgrund ihrer göttlichen Autorität offensichtlich zum Kanon der Bibel gehörten. Kein einziges Buch ist deshalb maßgebend (kanonisch), weil es irgendwann einmal von Menschen in den Kanon aufgenommen wurde. Ein Buch ist nur dann maßgebend, wenn es deutlich von Gott mit Autorität versehen ist, d.h. von Gott inspiriert ist. Das einzige, was den Menschen von Gottes Vorsehung überlassen wurde, war, solche göttlich autoritativen Bücher als solche zu erkennen.

Mehr dazu aber hier.

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[slider title="Warum gibt es behindert geborene Babys, wenn es Gott gibt?"]

Oh, das war eine sehr gute Frage. Sie fragt nach dem Leid in der Welt, das jedoch vom Menschen unverschuldet ist, nicht wie zum Beispiel Kriege oder andere Dinge, für die der Mensch direkt verantwortlich ist. Hier wäre es einfach zu billig, zu sagen “Auch damit hat Gott seinen Plan“. Deswegen gab ich hier auch offen zu, keine Antwort auf diese Frage zu haben.

Auch aus dem Buch Hiob wird das nicht ersichtlich. Hiob war ein absolut rechtschaffener Mann, und trotzdem musste er soviel leiden wie kein anderer, nur weil Gott und der Satan eine Wette offen hatten? Das klingt absolut lächerlich. Selbst Hiob bekam keine Antwort auf seine Frage nach dem Leid. Fakt ist aber, dass alle Menschen, egal ob gläubig oder nicht, vom Leid getroffen werden können, ich behaupte aber, dass der gläubige Mensche besser mit diesem Leid umgehen kann.

Vielleicht fällt euch eine bessere Antwort auf diese Frage ein.[/slider]


[slider title="Wie stehst du zur Homosexualität?"]

Ich zitierte hier Römer 1, 18-27, was schon harter Tabak für meine Zuhörer war. Ich sagte dazu, dass ich es auch falsch finde, weil es nicht dem natürlichen Lebenslauf entspricht. Nicht mal die Evolutionstheorie würde Homosexualität bejahen, denn sie erfüllt den Zweck der Fortpflanzung nicht, vielmehr ist sie genau gegenseitig ausgerichtet. Ich stellte aber auch klar, dass ich niemals jemand aufgrund seiner sexuellen Neigung schlechter behandeln würde, sondern ihm oder ihr mit der gleichen Wertschätzung begegne, wie jemand, der heterosexuell ausgerichtet ist. Jesus würde es nicht anders tun.

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[slider title="Du glaubst an Adam und Eva? Okayyyy- jetzt is vorbei!"]

Die Bibel sagt, dass nur ein Narr nicht an einen Gott glaubt (hier), auch wenn die Gesellschaft uns heute das Gegenteil bezeugen möchte. Wenn es um alltägliche Dinge geht, ist jedem bewusst: Für jedes Gerät, dass wir besitzen, gibt es einen Hersteller. Keine Maschine, die wir benutzen, entsteht aus reinem Zufall. Keine Zahnräder in einem Uhrwerk können sich von selbst auf 60 Sekunden oder Minuten eichen.

Geht es aber um die funktionellste “Maschine”, den Menschen, wird dieses Naturgesetz ausgeklammert. Da wird dann spekuliert, dass das Auge, ein absolutes Wunderwerk, dass in 3D und Farbe sieht, das Entfernungen abschätzen kann und dazu noch wunderschön ist, Zufall sein muss. Bei sowas könnte ICH mir an den Kopf langen. Wer von uns muss denn hier größeren Glauben beweisen? Der, der an den Zufall glaubt oder der, der einfach glaubt was er sieht – und zwar, dass alles, was gemacht ist, auch einen Macher hat?

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Im Moment fallen mir die weiteren Fragen leider nicht ein, eventuell kann jemand ergänzen, der dabei war.

Was war am Gespräch gut oder schlecht?

Ich würde mich gern oft mal selbst reden hören. Würde ich mir selbst glauben, als jemand, der noch nicht glaubt? Wenn nein, was müsste anders werden? Ich frage mich auch oft, ob ich mich in solchen Gesprächen zu sehr hineinsteigere und dann so tief in der Materie bin, dass ich vergesse, wie ich früher selbst skeptisch war und alles genau geprüft haben wollte.

Ich fand vor allem sehr gut, dass meine Gesprächspartner bis auf kleine Ausnahmen doch recht locker geblieben sind und das Ganze nicht auf die emotionale Art aufgefasst haben. Dass sie mir danach auch nicht fremd oder sogar ablehnend gegenüber standen, sondern dass da eine gewisse Akzeptanz da war, die genau zwischen dem Glauben und den restlichen Lebensthemen unterscheiden kann.

Ich denke, es ist auch oft der Fehler der Christen, dass sie Leute durch ihre “Hinweise” in die Ecke drängen. Natürlich will sich der Gegenüber da erst einmal verteidigen. Somit wird das ganze zu einer “Wer hat jetzt Recht-” Sache.

Das eigentliche Ziel sollte doch sein, die Leute dazu zu bringen, diese ganze Sache selbst und persönlich zu prüfen. Ihr Leben einmal zu untersuchen und dazu die Bibel in die Hand zu nehmen. Es geht schließlich “wenn überhaupt” um das Leben nach dem Tod! Ist man da nicht klüger dran, wenn man wenigstens genau weiß, was die Bibel dazu sagt, um sich dann zu entscheiden, ob man das für sich in Anspruch nehmen kann? Wer das jedoch von vorneherein kategorisch ablehnt, kann doch nicht behaupten, seine Wahl schon getroffen zu haben!

Frage an alle, die dabei waren: Wie habt ihr das Gespräch empfunden? War es zu hart, aggressiv, zu “wischi-waschi” oder einfach nur unverständlich? Was ist euch geblieben und was hättet ihr im Nachhinein vielleicht anders gesagt??

Fazit:

Um die Frage aus der Titelzeile zu beantworten:

  1. Das Beste ist, wenn man Glaubensdinge nicht selber ansprechen muss, sondern von anderen angesprochen wird, weil sie erkennen, dass bei dir etwas “anders” ist. Denn dann existiert wirkliches Interesse und Bereitschaft zum Hören. Oft sagen wir das eine und zeigen mit unseren Taten was Anderes. Dann wird es natürlich schwer, einen Ansatzpunkt zu finden oder als vertrauenswürdig angesehen zu werden.
  2. Zweitens ist es jedoch wichtig, zu sehen, dass der Glaube nur da entstehen kann, wo jemand die Gute Nachricht weiterbringt. “Der Glaube kommt aus der Predigt”, sagt der Apostel Paulus. Wenn keiner die Nachricht mündlich (oder schriftlich) weitergibt, glauben die Menschen alles Mögliche, nur nicht die Wahrheit.
  3. Drittens: Sich unbedingt in die Lage des Zuhörers versetzen, ihn wirklich verstehen WOLLEN und ihm zeigen, dass es nicht darum geht, ihn zu blinden Glauben überreden zu wollen. Vielmehr soll der Gesprächspartner dazu gebracht werden, selbst zu prüfen, wie es mit seinem Leben, seinen Sünden und der Möglichkeit eines Ausweges aussieht.
  4. Und Viertens: Merken, wenn kein Interesse da ist oder wenn der Gesprächspartner gar versucht, alles in den Dreck zu ziehen. Das unterschreitet nicht nur ein gewisses Niveau, sondern es werden auch “Perlen vor die Säue geworfen”, wie ein Sprichwort so schön sagt.

Danke für anschließenden Feedback!

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10 Meinungen zu “Wie spricht man mit Freunden über den Glauben?”

  1. Julius 1 Juni 2009 at 05:46 #

    Schön und ehrlich geschrieben!
    Viele Jahre lang war ich auch ziemlich gläubig. Irgendwann habe ich mir dann aber die von dir angesprochene Frage nach dem Leid gestellt. Warum sterben Babys? Und es ist noch schlimmer, denn es leiden nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, sodass alle Erklärungen, die sich auf uns Menschen beziehen (“großer Plan”, gerechte Strafe für die Erbsünde o.ä.) nicht funktionieren. Ich habe viel Zeit mit dieser Frage verbracht und bin zum Schluss gekommen, dass es keinen Gott geben kann — zumindest keinen wie er in der Bibel beschrieben wird (allmächtig, allwissend und gütig).

    Das war nicht einfach. Ich hatte ja quasi eine jahrelange Beziehung zu Gott und ihm einfach so den Rücken kehren? Aber wie kann ich an einen Gott glauben, den es nicht gibt? Oder der so ein Monster ist? Das war keine einfache Zeit.

    Und ich muss gestehen, ab und zu fehlt er mir sehr. Religion kann einem das Gefühl der Sinnlosigkeit nehmen, Mut machen, trösten, etc. Allerdings sind das nur mögliche (weltliche) Erklärungen, warum es Religion gibt, keine Argumente für die Existenz von Gott.

    Selbst die Sache mit der Entstehung des Universums ist, denke ich, ein Unentschieden. Irgendwie leuchtet es intitiv schon ein, dass alles einen Schöpfer hat, allerdings muss man dann auch eine gute Antwort auf die Frage haben: “Wer/was hat Gott erschaffen?” Ich habe leider keine.

    Wäre gerne dabeigewesen.

  2. rob 1 Juni 2009 at 08:28 #

    Hallo Julius,
    als ich deinen Kommentar so las, kam es mir vor wie ein déja-vu. Ich hatte mir – eben aus denselben Zweifeln und vielen Fragen- das von einen Justiz-Journalisten verfasste Buch “Der Fall Jesus” gekauft. Darin interviewt der damals noch ungläubige Verfasser Lee Strobel verschiedene Menschen zu dem Thema, um die Wahrheit zu finden.

    Und dann kommt er zum ehemaligen Mit-Evangelisten von Billy Graham, Charles Templeton. Dieser schildert genau wie du seinen anfänglichen Glauben und dann seinen Unglauben, der durch die Frage nach dem Leid entstand. Zum Schluss war er dann total in sich gekehrt und hatte Tränen in den Augen als er sagte “Jesus fehlt mir schon sehr”. Charles leidet momentan an Alzheimer, Billy an Parkinson.

    Eventuell ist das Buch was für dich, du solltest mal eure Geschichten vergleichen, deine und Charles’ ;-)

    Liebe Grüße!

  3. Lex 4 Juni 2009 at 23:24 #

    Es ist ziemlich billig Gott die Schuld für all das Leid in die Schuhe zu schieben. Warum fragt der Mensch nach Gott, wenn er Leid sieht? Den größten Teil der Zeit interessiert sich der größte Teil der Menschheit nicht im Geringsten für den Schöpfer und auch die süßen Babys von heute werden sich morgen nicht für Gott interessieren, wenn sie groß sind.

    Menschen denken menschlich und weil der Mensch nun mal an die Zeit gebunden ist, begeht er leicht den Fehler, Gott in seine menschliche, zeitliche und endliche Weltsicht einzuspannen. Und deswegen fragen wir uns, wie Gott es zulassen kann, dass unschuldige Babys sterben müssen. Gott steht jedoch über der Zeit. Für ihn ist Gestern, Heute und Morgen gleich. Er kennt den Anfang und das Ende jeden Menschen und er weiß welches zerstörerische Potential in jedem Menschen(baby) steckt. (Auch Hitler war mal ein süßes Babay) Vor Gott gibt es keine süßen Babys in Windeln, sondern vollständige menschliche Schicksale.

  4. rob 5 Juni 2009 at 08:03 #

    Danke Lex, sehr gut bemerkt.

  5. Julius 7 Juni 2009 at 13:46 #

    Es ist aber auch ziemlich billig, alle Ungereimtheiten, die bei der Annahme eines allmächtigen und gütigen Gottes entstehen, mit dem Verweis auf einen größeren Plan abzutun, der von uns nicht verstanden werden kann. Mit dieser Argumentation kann ich alles rechtfertigen.
    Kein Gott kann von mir verlangen, dass ich an ihn glaube, wenn ich bei meiner (begrenzten) Rationalität zu dem Schluss komme, dass es einfach unlogisch ist. Ich hoffe, er wird mir das (sollte ich falsch liegen) nicht übel nehmen.

    Aber ein Gott, der ein Baby durch einen langsamen und schmerzhaften Tod sterben lässt, ist für mich (aus meinem objektiven Standpunkt betrachtet) einfach ein Monster. Als allmächtiges Wesen, sollte es für ihn kein Problem sein, das Baby völlig schmerzfrei sterben zu lassen (wenn man es denn unbedingt sterben lassen möchte).

    Aber ich habe auch schon geschrieben, dass diese Frage nicht ausschlaggebend dafür war, dass ich an meinem Glauben gezweifelt habe — denn “Vor Gott gibt es keine süßen Babys in Windeln, sondern vollständige menschliche Schicksale” ist zwar “billig” und nicht richtig zufriedenstellend, aber ich konnte es noch akzeptieren.

    Was aber meiner Meinung nach unerklärlich ist: Warum müssen Tiere leiden? Gott kümmert sich nicht um deren Schicksale, Tiere haben kein ewiges Leben. Trotzdem verenden jede Minute tausende Tiere auf qualvolle Weise; sie sterben an Krankheiten, verhungern, verdursten, etc.
    Die Frage ist einfach: Warum lässt Gott das zu? Wäre ich ein allmächtiger, allwissender und gütiger Gott, hätte ich ein Universum erschaffen, in dem Tiere zB keine Schmerzen empfinden. Gegeben alles andere ist gleich wäre das unzweifelhaft eine Verbesserung.

    @rob:
    Vielen Dank für den Buchtipp!

  6. Lex 7 Juni 2009 at 21:47 #

    Zunächst einmal, möchte ich mich von dem Gedanken distanzieren, das hinter allem was geschieht, ein Plan steckt. Zumindest hab ich das so in der Bibel noch nie gelesen. Ich finde es ebenfalls billig, Gottes Pläne als “Lückentheorie” für alles Unerklärbare und Unverständliche zu missbrauchen.

    Ich verstehe auch vieles nicht und bei der Frage, warum Tiere leiden müssen, muss ich leider passen. Versuchs doch mal so zu sehen: Nur der Mensch hat ein bewusstes “Ich” oder “Sein”. Tiere handeln instinktiv und sind zumeist nicht in der Lage ihr Handeln in Gedanken zu reflektieren, weshalb sie auch nur begrenzt lernfähig sind. Abstrakte Begriffe, wie z.B. Kummer, Sorge, Leid, Not, Freude, Friede, Glück und dergleichen kann man sich nur durch Reflexion und Nachdenken zugänglich machen. Dazu sind Tiere nicht in der Lage.

    Ich befürchte du machst bei den Tieren den selben Fehler, wie bei Gott. Du versetzt dich als Mensch in die Situation eines Tieres bzw. in die Situation Gottes und fragst dich: “Was würde ich empfinden, denken oder tun?”. Du wirst dabei jedoch immer zu einem falschen Ergebnis kommen, weil du eben kein Tier und auch nicht Gott bist.

    Die Behauptung: “Vor Gott gibt es keine süßen Babys in Windeln, sondern vollständige menschliche Schicksale”, hab ich aufgestellt, weil meiner Ansicht nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor Gott gleicherweise gegenwärtig sind und er deshalb nicht nur die süßen Babys sieht, sondern auch die “Monster” die mal aus ihnen werden könnten. Ich denke das dürft logisch nachvollziehbar sein, wenn man sich dessen bewusst ist, das Gott nicht an die Zeit gebunden ist. Das dies keine perfekte Antwort auf deine Frage ist, glaub ich dir gern. Sie ist lediglich der vorläufige Stand meiner Erkenntnis.

    Mich persönlich überzeugen die offensichtlichen Beweise dafür, dass es einen Schöpfer gibt, den wir umgangssprachlich “Gott” nennen: Kein Geschöpf ohne Schöpfer. Wie der Schöpfer sich seine Schöpfung gedacht hat und warum sie (noch) nicht perfekt ist, weiß ich nicht. Aber eins weiß ich: Gott ist nocht nicht fertig mit uns!

    Hier mal ein paar Verse aus dem Brief an die Römer (8,19ff)

    “Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, daß auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.”

    Bedenke bitte: aus menschlicher Sicht, ist Gott noch nicht fertig und in seiner Schöpfung vieles zu bemänglen! Aus Gottes Sicht aber ist bereits alles fertig und perfekt, da für ihn ja die Zukunft genauso gegenwärtig ist, wie für uns die Gegenwart.

  7. Luke_k 6 Juli 2009 at 15:29 #

    Hi Albert,
    interressannter Artikel. Ich war ja über Pfingsten auf dem Festival und da waren auch viele Leute die einfach nur Diskutieren wollten – u.a. mit der Frage “wie stehst du zur Homosexualität”
    Wie war das denn bei eurem Gespräch an dem Abend – war das auch einfach nur provokation oder wie bist du mit dieser Frage umgegangen?

  8. rob 6 Juli 2009 at 18:22 #

    Nein, es war durchaus eine ehrliche Frage, die ich mit dem Römerbrief beantwortet habe. Homosexualität ist, wenn man es biologisch sieht, nicht normal. Homosexuelle Säugetieren können sich nicht fortpflanzen, dies widerspricht sogar der Evolutionstheorie.
    Dass die Menschheit es aber als normal hinstellen will, ist seit 1990 ein immer stärker vorangetriebener Fakt.

    Fakt ist auch, dass Gott Homosexualität als “Verirrung” ansieht, auch wenn das jetzt für manche Hart klingen mag.

    Beim Gespräch war mir jedoch wichtig, dass den Leuten klar wurde, dass ich niemals einen homosexuellen Menschen degradieren würde oder ihn wegen seiner Neigung schlecht machen würde, denn JESUS würde das nicht tun. Stattdessen gilt es, ihn auf das Evangelium hinzuweisen. Für schon so manchen war es der Ausweg aus dieser Verirrung.

  9. Julius 10 Juli 2009 at 16:38 #

    Homosexualität ist, wenn man es biologisch sieht, nicht normal. Homosexuelle Säugetieren können sich nicht fortpflanzen, dies widerspricht sogar der Evolutionstheorie.

    Und weiter? Ob etwas natürlich ist oder nicht, hat doch keinerlei Auswirkungen auf die Moral!
    Eine Population, bei der jedes Paar nur genau ein Kind zeugt, wird auf Dauer aussterben. Handelt ein Paar, das beschließt, nur ein Kind zu haben, also unmoralisch? Was ist mit Paaren, die kinderlos bleiben möchten?
    Außerdem ist diese Argumentation in dicht besiedelten Entwicklungsländern, denen ein Populationsschwund gut täte, geradezu bizarr.

    Das Hauptproblem ist: unnatürlich =/=> unmoralisch (denn was sollte man dann von künstlichen Süßstoffen halten?)

  10. Lex 10 Juli 2009 at 17:10 #

    Ich denke, ob etwas gut oder schlecht ist, ist oft eine Definitionssache. Die Anerkennung von logischen Argumenten, wie z.B. das mit der Unnatürlichkeit von Homosexualität, sind von Kultur, Zeitgeist und anderen Faktoren abhängig. Bis vor wenigen Jahrzehnten, hätten die Meisten Rob sicher bedingungslos zugestimmt. Aber die Zeiten ändern sich. Was sich nicht ändert, das sind Gottes Gebote. Entscheidend ist letztendlich, was Gott sagt. Denn Gott schuf den Menschen. Und er schuf ihn als Mann und Frau. Er schuf ihn als sein Ebenbild. Und als Schöpfer hat er auch die Spielregeln festgelegt, an die sich seine Geschöpfe halten können. Wenn sie das nicht tun, dann ist es zu ihrem eigenen Schaden.
    Übrigens: Studien zufolge, liegt die Lebenserwartung von Homos 20 Jahre unter der von Heteros… Wenn das kein Argument ist!

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