Der Antichrist und die künftige Weltregierung
In der Offenbarung über den Fall Satans in Jesaja 14,12-15 verweist Satan auf seine Ursünde, indem er sagt:
«Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten» (V 14).
Wir finden eine weitere Schilderung über den Niedergang Satans in Hesekiel 28,12-15. Gott lässt jedoch zu, dass Satan über große Macht verfügt und Ihn im Rahmen Seines Willens immer wieder bekämpft. Deshalb ist es nicht überraschend, wenn Satan auf jede erdenkliche Art und Weise versucht, den Plan Gottes nachzuahmen. Dieser Sachverhalt wird im Rahmen des prophetischen Geschehens besonders deutlich, wenn Satan einen Menschen zum Antichristen machen wird. Die Bibel bezeichnet dieses Wesen jedoch nirgends als «Antichrist».
Vier Mal im Neuen Testament wird der Begriff «Antichrist» verwendet, aber in diesen Texten wird angedeutet, dass es im Verlauf der Menschheitsgeschichte viele Antichristen geben wird (vgl. 1.Joh 2,18.22; 4,3; 2.Joh 7).
Die Verwendung der Vorsilbe «Anti-» lässt erahnen, dass diese Persönlichkeit nicht nur ein Gegner Christi, sondern auch ein Ersatz für Ihn sein wird. Dementsprechend wird der Begriff «Antichrist» auch für den «Menschen der Gesetzlosigkeit» und andere biblische Titel dieses Wesens verwendet. Weil der Antichrist ein Teil des satanischen Plans zur Nachahmung Christi ist, ist es nur natürlich, dass er an den letzten Ereignissen in der Geschichte der vier Weltreiche maßgeblich beteiligt ist (Anm.: Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom).
Da mit Ausnahme der letzten Phase im Römischen Reich alle biblischen Vorhersagen bereits eingetroffen sind, werden sich die Geschehnisse um diesen Zeitraum mit dem Zehnstaatenbund während der Wiederbelebung dieses Reichs in der Endzeit abspielen. Die zehn Hörner des Tiers sollen zehn Reiche sein, also eine politische Vereinigung von Nationen aus einem Teil des alten Römischen Reichs (vgl. Dan 7,24). Der Antichrist wurde zum ersten Mal in Daniel 7,8 erwähnt:
«Als ich aber auf die Hörner Acht gab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge.»
Der Antichrist wird als ein kleines Horn dargestellt, das drei der zehn Hörner (Nationen) ausreißt und dann offenbar die Herrschaft über alle zehn Nationen erringt. Beim elften Horn muss es sich um eine Persönlichkeit mit großer politischer Macht handeln, denn es wird zum Oberhaupt der Gruppe aus zehn Staaten. Dieses Ereignis ist von großer Bedeutung, wenn wir feststellen wollen, wann der Antichrist für alle erkennbar auftreten wird, denn darin werden uns die wichtigsten Tatsachen über die Endzeit vermittelt.
In der Bibel wird nicht erwähnt, zu welchem Zeitpunkt die zehn Nationen entstehen. Die Entrückung selbst ist nicht abhängig von Zeichen, aber sie findet in einem ganz bestimmten historischen Rahmen statt. Die Gruppe der zehn Staaten ist ein Teil dieses Rahmens, und die Zeit ihrer Entstehung liegt entweder kurz vor oder kurz nach der Entrückung. Allerdings findet die Eroberung der zehn Nationen nach der Entrückung statt, denn erst dann wird der Antichrist offenbar werden, als eindeutiges Zeichen, dass der Tag des Herrn mit seinen bedeutenden Ereignissen beginnt.
Bestätigt wird dieser Sachverhalt durch die Existenz dessen, der aufhält:
«Nur muss der, der es jetzt noch aufhält, weggetan werden» (2.Thess 2,7).
Hier wird die Entrückung der Gemeinde Jesu angesprochen. Der Heilige Geist wird nicht mehr in den Heiligen wohnen, sondern die Situation wird wieder genauso sein wie in der Zeit vor Pfingsten.
Die nationale Herkunft des Antichristen bietet Raum für viele Spekulationen. Die Bibel scheint ihn lediglich als Römer zu bezeichnen, und somit müsste er aus einer der aus dem Römischen Reich hervorgegangenen Nationen stammen. Darüber hinaus macht die Bibel keine genaueren Angaben, obwohl manche Ausleger sich auf vage Andeutungen in bestimmten Bibeltexten beziehen und daraus seine Abstammung aus einem oder mehreren Ländern ableiten wollen. Allerdings ist dieser Sachverhalt nicht von Bedeutung, bis auf die Tatsache, dass er offenbar aus einem Land im Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs kommt. Seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse ist ebenfalls unwichtig, denn das Hauptthema der biblischen Offenbarung dreht sich um seine politische Macht.
Sobald der Antichrist die Macht über die zehn Länder an sich reißt, befindet er sich in einer starken Position. Deshalb kann er das ausführen, was in Daniel 9,27 über die letzten sieben Jahre in der prophetischen Zukunft Israels vor der Wiederkunft Christi erwähnt wird. In Daniel 9,24-27 wird der breite Rahmen dieser Zukunft dargestellt.
Von den 490 Jahren dieser Prophezeiung haben sich 483 Jahre bereits in der Zeit bis zum Tod Christi erfüllt, denn in Vers 26 heißt es:
«Nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und nicht mehr sein.»
Die letzten sieben dieser 490 Jahre, die ihren Höhepunkt bei der Wiederkunft Christ erreichen, liegen noch immer in der Zukunft. Weil die Wiederkunft Christi noch nicht geschehen ist, haben sich die Prophezeiungen über diesen Zeitabschnitt noch nicht erfüllt.
In dem bereits erwähnten Abschnitt wird eine ganz bestimmte Chronologie über den Plan Gottes für die Endzeit erwähnt. Aus Daniel 9,27 geht hervor, dass es in der Mitte der sieben Jahre zu einer plötzlichen Veränderung kommen wird:
«In der Mitte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen. Und im Heiligtum wird stehen ein Gräuelbild, das Verwüstung anrichtet, bis das Verderben, das beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird.»
Der Antichrist wird natürlich offenbar werden, wenn er das Siebenjahresbündnis abschließt. Ein zusätzliches Merkmal ist seine Machtergreifung über die gesamte Welt. In Daniel 7,23 wird vorausgesagt, dass er alle Länder «fressen, zertreten und zermalmen» wird.
Der syrische König Antiochus Epiphanes (175-164 v.Chr.) nahm in gewisser Weise das Wesen und Wirken des Antichristen vorweg. Er entweihte den Tempel und machte sich selbst zum Gott. Bevor er schließlich eines natürlichen Todes starb, ließ Antiochus Tausende Juden umbringen, weil es ihm nicht gelang, ihnen eine heidnische Religion aufzuzwingen. Aber bereits vor seinem Tod wurde der Tempel wieder geweiht, und der jüdische Glaube erlebte eine Erneuerung.
Weil Antiochus ein Prototyp des Antichristen ist, meinen manche Ausleger, die Prophezeiung in Daniel 8,23-25 beziehe sich auf den Antichristen. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass es sich hier um eine prophetische Beschreibung von Antiochus Epiphanes handelt, denn in seiner Person wird die spätere Handlungsweise des Antichristen veranschaulicht.
In der biblischen Prophetie begegnet uns der Antichrist in Daniel 11,36-45 wieder:
«Der König wird tun, was er will, und wird sich überheben und großtun gegen alles, was Gott ist. Und gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden, und es wird ihm gelingen, bis sich der Zorn ausgewirkt hat; denn es muss geschehen, was beschlossen ist» (V 36).
In Vers 37 wird er näher beschrieben:
«Auch die Götter seiner Väter wird er nicht achten; er wird weder den Lieblingsgott der Frauen noch einen andern Gott achten; denn er wird sich über alles erheben.»
Manche Ausleger haben Schwierigkeiten mit dem Ausdruck: «Die Götter seiner Väter wird er nicht achten»; ihrer Meinung nach handelt es sich beim Antichristen um einen abtrünnigen Juden. In der Bibel wird hier jedoch das hebräische Wort elohim für Gott verwendet, eine allgemeine Bezeichnung und nicht wie der Name «Jahwe» ein Ausdruck für den Gott Israels. Offenbar will die Bibel mit dieser Wortwahl andeuten, dass es sich hier nicht um einen Juden, sondern den letzten Herrscher der Heiden handelt, der Göttlichkeit für sich beansprucht.
Ferner wird von ihm gesagt, dass er den «Lieblingsgott der Frauen» (in anderen Übersetzungen «den Schatz der Frauen»; Anm. d. Übers.) nicht achtet. Für diese Formulierung gibt es viele Erklärungen, und die vielleicht beste lautet, dass er den Wunsch der Frauen, die Mutter des Messias zu sein, missachtet. Mit anderen Worten, er entledigt sich der Vorstellung, dass Jesus der Messias Israels ist.
In Vers 37 steht auch, dass er überhaupt keinen Gott achtet («noch einen andern Gott»), «denn er wird sich über alles erheben» (und schließlich, wie in 2. Thessalonicher 2,4 erwähnt, vorgeben, er sei Gott). In Wirklichkeit ist er ein Atheist, der seine Kraft von Satan bezieht.
Der Antichrist wird auch beschrieben als jemand, der «den Gott der Festungen verehren» wird (vgl. Dan 11,38). Damit soll angedeutet werden, dass er die Bedeutung militärischer Macht erkennt und sich finanzieller Mittel (Gold, Silber und anderer Kostbarkeiten) bedient, um Krieg zu führen.
In Daniel 11 wird ferner die Schlacht von Harmagedon (bzw. Armageddon) beschrieben, in der sich die Armeen im Land Israel gegenseitig bekämpfen, um die politische Macht zu erringen. Mitten in diesem Krieg wird die Wiederkunft Christi stattfinden; die gegnerischen Armeen vergessen ihre Streitigkeiten und vereinigen sich im Kampf gegen das himmlische Heer.
Die Wiederkunft Christi geschieht 1 260 Tage (oder 42 Monate) nach dem Beginn der  großen Trübsal. Die Vernichtung des Antichristen und seiner Armee scheint sich über 30 Tage nach der Wiederkunft Christi zu erstrecken, und diese Zahl wird den 1 260 Tagen hinzugefügt, sodass sich die 1 290 Tage aus Daniel 12,11 ergeben. Es kommen noch 45 Tage dazu, und so errechnen sich die 1 335 Tage aus Daniel 12,12, die vom Gericht über die Nationen (vgl. Mt. 25,31-46) und Israel (Hes. 20,33-38) begleitet werden.
Auch die Auferstehungen der Heiligen aus dem Alten Testament (vgl. Dan 12,1- 2) sowie der Märtyrer aus der großen Trübsal (vgl. Offb. 20,4-6) fallen in diese Zeit. Nach Ablauf dieser bedeutenden Ereignisse beginnt das Tausendjährige Reich.
Die Chronologie des Endzeitgeschehens wird oft falsch gedeutet. Wie aus 2. Thessalonicher 2,1-12 hervorgeht, wird der Mensch der Sünde, der Antichrist, in der Mitte dieser sieben letzten Jahre vor der Wiederkunft Christi vollständig offenbar. Bei der Anwendung der relevanten Bibeltexte auf diese Situation wird deutlich, dass er sich zu erkennen gibt, wenn er die zehn Nationen des wiederbelebten Römischen Reichs mehr als sieben Jahre vor der Wiederkunft Christi erobert. Im nachfolgenden Geschehen stellt sich dann heraus, dass er derjenige ist, der das bereits erwähnte Bündnis abschließt (vgl. Dan 9,27). Wenn er die Rolle des Weltdiktators übernimmt und sich in der Mitte der letzten sieben Jahre als Gott ausgibt, ist seine Enthüllung vollständig, und somit erfüllt er die Prophezeiung in 2. Thessalonicher 2,3 zu Beginn der großen Trübsal.
Ein wichtiger neutestamentlicher Text über den Antichristen steht in Offenbarung 13. Dieses Kapitel unterbricht den prophetischen Ablauf der Offenbarung, indem zwei Hauptfiguren, das Tier und der falsche Prophet, erwähnt werden. Damit sind der Antichrist und sein Helfershelfer gemeint. Auch dieses Geschehen spielt sich im wiederbelebten Römischen Reich ab, das vom Antichristen erobert worden ist.
In Offenbarung 13,1 heißt es:
«Ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen.»
Er wird als derjenige geschildert, der die politische Macht der drei vorangegangenen Reiche fortführt. Wir erfahren auch, dass der Drache ihm «seine Kraft und seinen Thron und große Macht» (V 2) gab. In Offenbarung 12,3.7-9 wird der Drache als Satan identifiziert. Eines der Geheimnisse um den Antichristen steht in Offenbarung 13,3:
«Ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier.»
Manche Ausleger meinen, dass der Antichrist gestorben ist und wieder auferweckt wird. Auf dieser Grundlage haben sie eine ganze Reihe von Vorschlägen entwickelt, welche Gestalt aus der Geschichte (wie z.B. Judas Ischariot oder Kaiser Nero) als Antichrist von den Toten auferstehen wird. Diese Argumentation hat jedoch einen Schwachpunkt: Satan hat nicht die Macht, einen Menschen von den Toten aufzuerwecken.
Die wohl plausibelste der vielen Erklärungen über diesen Vers lautet, dass dem Antichristen bei einem Attentat eine Wunde zugefügt wird, die normalerweise tödlich wäre. Satan hat jedoch die Macht, Heilungen zu bewirken, denn diese scheinbar tödliche Wunde wird geheilt. Damit gibt sich der Antichrist den Anschein, ein übernatürliches Wesen zu sein; dies führt zu seiner Anbetung, wie es in Offenbarung 13,4 heißt:
«… und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kämpfen?»
Aus Offenbarung 13,5 geht hervor, dass seine weltweite Herrschaft 42 Monate dauert:
«Es wurde ihm ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate lang.»
Diese Zeit entspricht der großen Trübsal, die im Buch Daniel, von Christus selbst und auch in Offenbarung 7,14 erwähnt wird. Sie umfasst 42 mal 30 Tage, also insgesamt 1 260 Tage. Dem Antichristen wird erlaubt, Gott zu lästern, während dieser nächsten 42 Monate mit seiner «Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten» Weltregierung fortzufahren und Tausende umbringen zu lassen, die in dieser Zeit zu Christus gefunden haben:
«Ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu überwinden; und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen» (Offb. 13,7).
Eine zweite Persönlichkeit wird mit ihm in Verbindung gebracht, und zwar wird in Offenbarung 13,11-17 von einem anderen Tier, das aus der Erde kommt, gesprochen (V 11). Im Gegensatz zur politischen Figur des Antichristen, der sich als Gott ausgibt, ist die Tätigkeit dieses Verbündeten eher religiöser Natur, denn dadurch werden die Menschen veranlasst, den Antichristen anzubeten.
In diesem Abschnitt wird offenbart, dass er große Macht haben sowie Zeichen und Wunder vollbringen wird. Johannes hat in Offenbarung 13,11-13 Folgendes niedergeschrieben:
«Ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen, und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden war. Und es tut große Zeichen, sodass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den Augen der Menschen.»
Mit dieser Macht, Wunder zu wirken, täuscht er die Menschen, indem er dem Bild des Tieres scheinbar Leben verleiht:
«… und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten, getötet würden» (V 14-15).
In diesem Abschnitt wird auch die Situation geschildert, in der die Menschheit zur Anbetung des Bildes gezwungen wird:
«Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens» (V 16-17).
Diejenigen, die kaufen oder verkaufen wollen, müssen ein Zeichen an Stirn oder Hand tragen, als Beweis, dass sie den Antichristen anbeten. Aufgrund dieser Forderung stehen diejenigen, die an Christus glauben, unter einem enormen Druck, denn wenn sie sich beugen, erkennen sie an, dass das Tier Gott ist.
Ein letztes Problem in diesem Abschnitt ist die Zahl des Tieres. In Offenbarung 13,17-18 heißt es:
«… und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundert und sechsundsechzig.»
Hier stellt sich natürlich die Frage nach der Bedeutung dieser Zahl «666».
Darüber sind endlose Spekulationen angestellt worden, die man auch in Kommentaren über die Offenbarung nachlesen kann. In vielen Sprachen haben Buchstaben auch Zahlenwerte. So ist im Lateinischen ein V die Zahl fünf, ein X die Zahl zehn, ein C ist die Zahl einhundert, und ein M ist die Zahl eintausend. Auch im Griechischen und Hebräischen kennt man dieses Phänomen. Deshalb gibt es viele Versuche, die Namen historischer Persönlichkeiten auf ihren Zahlenwert hin zu untersuchen.
Ein bekanntes Beispiel ist der Name des römischen Kaisers Nero, den man mit einer hebräischen Endung schrieb, nämlich Kaisar Neron. Das K soll den Zahlenwert 100 haben, das S den Zahlenwert 60, das R soll für 200 stehen, N für 50, R für 200, O für 6 und N nochmals für 50. Der Zahlenwert des Namens entspricht dann 666. Diese Spekulationen werden auch heute noch betrieben, indem die gleiche Methode auf andere Namen angewendet wird.
Diese vielen Versuche, das Tier zu identifizieren, zeigen jedoch, dass keine der verwendeten Methoden zu einem richtigen Ergebnis führt, weil der Mensch der Sünde erst nach der Entrückung identifiziert werden kann. Deshalb handelt es sich um jemanden, der heute oder in der Zukunft lebt und nicht um eine historische Persönlichkeit. Die Zahl 666 könnte auch für die menschliche Schwäche stehen, denn ihr fehlt nicht viel zur Zahl der Vollkommenheit, nämlich 777.
Indem Gott dem Antichristen diese Zahl gibt, verdeutlicht Er damit dessen Bekanntheitsgrad und vorübergehende Macht; aber trotz aller spektakulären Zeichen und Wunder ist er nur ein Mensch. Möglicherweise wird die Erkenntnis über die Bedeutung dieser Zahl zunehmen, wenn diese Ereignisse stattfinden.
Glücklicherweise haben diese Phänomene jedoch keinen Einfluss auf unsere christliche Hoffnung, die Entrückung der Gemeinde Jesu oder auf unsere Errettung, denn sie geschehen erst dann, wenn die Christen im Himmel sind. Bei der Wiederkunft Christi ist der Antichrist in den großen Krieg verwickelt. Wenn Christus zurückkehrt und Seine Gerichte über die Welt vollstreckt, werden das Tier und der falsche Prophet in den Feuersee geworfen:
«Das Tier wurde ergriffen und mit ihm der falsche Prophet, der vor seinen Augen die Zeichen getan hatte, durch welche er die verführte, die das Zeichen des Tieres angenommen und das Bild des Tieres angebetet hatten. Lebendig wurden diese beiden in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte» (Offb. 19,20).
Danach wird Satan für tausend Jahre gebunden werden. Am Ende des Tausendjährigen Reichs wird er das gleiche Schicksal erleiden wie das Tier und der falsche Prophet (Offb. 20,10), und schließlich wird Gott den Sieg davontragen.
Aus: Mitternachtsruf, 07.2009, John F. Walvoord, 1910-2002
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