Twittern hält vom Bloggen ab

Geschrieben am 21.Dez 2009 in Denk nach!    Drucken Drucken

Als ich Mitte des Jahres mit dem Twittern begann, habe ich es nach kurzer Zeit schon geahnt: Twittern hält vom Bloggen ab. Man erzählt alles einfach viel zu kurzfristig und in 140 Zeichen, und genausoschnell geht es in den Timelines seiner Leser auch wieder unter. Für manche mag das ja auch gut sein, vor allem für die, die sich schon oft im Bloggen versucht haben, aber es nie wirklich zu etwas gebracht haben.

Auf der Arbeit habe ich einen Kollegen, der mich schon seit 2 Monaten nicht mehr fragt, wie’s mir geht oder was ich am Wochenende gemacht habe. Wieso? Entweder hat er das in Facebook oder bei Twitter gelesen. Als zwei meiner Ex-Kommilitonen nach der Zeugnisvergabe noch bei mir waren, fragte mich einer: “Und, was gibts neues?” Im gleichen Atemzug schüttelte er kurz den Kopf und sagte weiter “Ah nee, weiß ich doch schon alles”.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Wenn keiner mehr mit mir über dies oder jenes zu reden braucht, weil er oder sie eh schon alles weiß… Stärkt das unsere Beziehung und Freundschaft dann, oder macht es sie schwächer? Andererseits: Wenn man jeden Tag über 10 Stunden auf der Arbeit ist und anschließend einfach nicht die Zeit hat, sich mit Leuten auszutauschen, ist Twitter und Facebook immerhin ein guter Weg, um zu erfahren, was die Freunde gerade so machen. Und wenn mich etwas noch weitergehend interessiert, dann kann ich ja anrufen und darüber reden, oder?

Dem Blogger geht es bei Twittern aber so, als würde er sein Pulver verschießen. Es gäbe vielleicht ein Thema, über das zu reden wäre, aber man handelt es kurz in 140 Zeichen ab. Es gibt Erlebnisse, die man wirklich schön und spannend erzählen könnte – aber man stückelt es in wenige Worte. Und wenn man das regelmäßig macht, gibt es keine Resonanz mehr. Verschossenes Pulver.

Für Leute, die mit ihrem Blog Geld verdienen, bedeutet das vorschnelle Twittern aber auch Verlust von Besucher, weniger Werbeeinblendungen und damit geringere Einnahmen. Wenn dies dem Blogger im Vordergrund steht, merkt man es schnell, da seine Tweets meistens nur auf sein Blog verweisen.

Ich bin gespannt, wie sich das gesamte Web in Zukunft weiterentwickeln wird. Überhaupt – in welche Richtung gehen unsere Medien? Ein Freund schrieb mir gestern: “Es ist so viel schöner, ein gut geschriebenes Buch in Ruhe zu lesen als sich ständig amateurhaft geschriebene Textfetzen im Netz reinzuziehen.”

Das ist wahr! Wann habe ich zum letzten Mal ein Buch von vorne bis hinten durchgelesen? (Hörbücher gelten nicht) Ich glaube, dass das schon viel zu lange her ist. Aber ich hoffe, dass ich irgendwann wieder dorthin zurückfinde: Zu der Ruhe, die ich mir selber so oft nehme.

Und ja, auch dieser Blogbeitrag steht dem entgegen – deswegen ziehe ich jetzt mal das WLAN-Kabel und genieße den Abend vor’m geschmückten Weihnachtsbaum!

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Eine Meinung zu “Twittern hält vom Bloggen ab”

  1. Nadia 23 Dezember 2009 at 10:16 #

    Hast Recht was die Sache mit den Beziehungen angeht, aber Twitter ist gut um Werbung zu machen : )

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