Die Predigerkonferenz 2010 in Lemgo – der Bericht
Momentan sitze ich noch mittendrin. Es ist Samstag, der 05.06.2010, gegen 11 Uhr, und Southern Baptists Präsident Paige Patterson hält die Abschlusspredigt. Selten hört man deutsche Prediger so sprechen.
Die vergangenen Tage waren ein riesengroßer Segen für alle Teilnehmer, von denen etwa 900 jeden Tag von Mittwoch bis Samstag im Gemeindehaus in Lemgo waren. Viele bekannte deutsche Prediger waren vor Ort, zum Beispiel Autor und Professor Dr. Werner Gitt, BSB-Leiter Heinrich Derksen, idea Spektrum-Chef Helmut Matthies, ERF-Leiter Udo Vach und viele, viele weitere. Sie alle kamen, um dem Motto der Predigerkonferenz 2010 gerecht zu werden: Prediget das Wort! Dienet einander!
Eine Skulptur wurde in diesen Tagen in den Gemeinderäumen von Lemgo oft fotografiert: Es zeigt einen Mann, der einem anderen die Füße wäscht. Dieser Mann, der da gebeugt vor dem anderen kniet, ist Jesus – und er wäscht einem Fischer namens Petrus die staubigen Füße. Ein Paradox – ist doch Jesus der “Anführer” der Jünger und ihr Chef! Vielmehr müssten die Jünger doch IHM die Füße waschen! Doch damit lässt Jesus seinen Jüngern die Erinnerung daran: Ein wahrer “Leiter” muss dazu bereit sein, seinen Geschwistern im Glauben die Füße zu waschen – auch wenn dies nur sinnbildlich zu verstehn ist.
Die Predigerkonferenz wurde von folgenden Gruppen veranstaltet:
- Bibelseminar Bonn: www.bsb-online.de
- Bund Taufgesinnter Gemeinden: www.btg-online.de
- Bund der Südlichen Baptisten: www.sbc.org
- Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Gemeinden: www.aeg-online.info
- Dienstgemeinschaft Evangelikaler Gemeinden
Neben den täglichen Predigten fanden am Fronleichnam-Donnerstag und am Freitag auch Workshops statt. Diese wurden geleitet von vielen Dozenten, Predigern und anderweitig begabten Brüdern. Mit dabei waren unter anderem Dr. Jim Anderson, Dr. David Allen, Dr. Cleon Rogers, Dr. George Kemp, Dr. Steven Jett, Daniel Siemens, Gerhard Schmidt, Eduard Friesen, Alexander Seibel, Dr. Friedhelm Jung, Dr. Jacob Thiessen, Gordon Ford, Bobby Welch, Scott Andrews und Dr. Dan Sanchez.
In diesen Workshops wurden verschiedene Themen behandelt, hier eine kleine Auswahl:
- Verstehbar vom Glauben reden; Predigten, die verändern
- Schöpfung und Glaubwürdigkeit der Bibel; Burnout im Dienst
- Theologische Ausbildung – Notwendigkeit oder Luxus?
- Die Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist
- Die Wichtigkeit von Musik und Gesang im Gottesdienst
- etc.
Alle Dozenten waren gut vorbereitet und konnten Ihr Wissen auf interessante Art transferieren, somit gab es für jeden etwas. Das gesamte Konferenzheft ist hier einsehbar.
Nun aber ist diese Konferenz gleich zu Ende. Paige Patterson hat soeben etwas gemacht, das man schon fast “dramatisch” nennen könnte. Während seiner Predigt hat er die Kanzel verlassen und sich einen Stuhl auf die Bühne geholt. Anschließend trug er eine Schüssel mit Wasser herbei und stellte diese davor. Während er die ganze Zeit weitersprach, bat er einen seinen ehemaligen Studenten, einen ziemlich großen Kerl, zu ihm nach vorne auf den Stuhl zu kommen. Dort ließ er ihn niedersitzen, kniete sich vor ihn hin, zog ihm Schuhe und Socken aus und wusch ihm, als Zeugnis für alle Zuschauer und -hörer, die Füße. Der Präsident der Southern Baptists USA geht mit gutem Beispiel voran.
Diese gesamten Tage brachten mich zum Nachdenken. Bin ich bereit dazu, mich für meinen Nächsten in den Dreck zu knien und auch die erniedrigendste Arbeit zu tun? Bin ich bereit, für Jesus alles hinzugeben und ihm damit zu dienen? Bin ich bereit, jeden Tag ein glaubwürdiges, mit Liebe erfülltes Leben zu leben, sodass die Leute um mich herum sehen, was der Unterschied ist zwischen Kindern Gottes und Leuten dieser Welt?
Patterson rief zum Schluss nochmaks dazu auf, die Entscheidung für den Dienst im Glauben festzumachen. Natürlich auf amerikanisch-dramatische Art. Man wurde eingeladen, nach vorne zu kommen und sich hinzuknien und im Gebet mit einzustimmen und Gott um Segen zu bitten. Nicht alle kamen, nicht alle gingen auf die Knie. Waren sich die anderen zu gut dafür? Empfanden sie es als überflüssig und lächerlich? Ich weiß es nicht.
Was ich weiß, ist, dass es sich gelohnt haben. Die Tage haben mir wieder Richtung gegeben, und Mut, weiterzumachen. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass solche “Hochgefühle” nicht lange halten. Allzuschnell hat einen der Alltag leider wieder eingeholt. Aber es war gut, in Lemgo wieder auftanken zu dürfen.
Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis: Alle Ansprachen und viele Bilder werden in den nächsten Wochen zum Download verfügbar sein. Ich werde euch hier darüber informieren!
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Ich danke Dir sehr für die Zusammenfassung. Ich bin kurz vor der Abreise nach Bolivien.
Gerne! Gottes Segen sei reichlich auf allen deinen Wegen!