Das iPad 2, das nie ankam

Geschrieben am 28.Nov 2011 in Aktuell    Drucken Drucken

Leute, ich habe mal wieder eine tolle Geschichte parat. Manche lachen ja hier schon, weil sie sich noch an die Geschichte mit dem Verkauf meines Laptops an einen ebay-Käufer erinnern, der mich zwar nicht bezahlen wollte, dafür aber nach Mauritius einlud. Oder an das Brautkleid, das an eine Pastorin in Nigeria gesendet werden sollte (und sich dann herausstellte, dass ein junger Mann hinter der ganzen Geschichte steckte).

Ja, und hier noch so eine Geschichte. Ich war für einen guten Freund auf der Suche nach einem gebrauchten, aber gut erhaltenem iPad 2. Bei quoka fand ich auch eines:

 

Das iPad2 - guter Deal oder Betrug?

Nun ja, man wurde sich schnell einig bei einem Betrag von 350 Euro. Ich bezahlte vertrauensvoll per Vorab-Überweisung, nachdem ich eine Kopie des Verkäufers Suljo Vosseler angefordert hatte.

Die Überweisung, die nicht bei ihm ankam

Und nun ging der Spaß munter los. Etwa 7 Tage nach der Überweisung war das Gerät immer noch nicht da. Natürlich rief ich an und wollte wissen, ob das Geld eingegangen sei. Suljo meinte, er habe noch nicht nachgesehen, werde dies aber tun. Er sei momentan sehr im Stress, da er bald heirate und alles vorbereiten müsse. Ich wünschte ihm viel Glück und bat ihn, sich bei mir zu melden, wenn er nachgesehen habe. Er bestätigte mir das.

Zwei Tage später hatte ich noch immer keine Antwort. Also rief ich erneut an und bekam zu hören, dass das Geld nicht da sei. Ich war erstaunt, da ich jeden Tag nachgesehen hatte, ob nicht eine Rückbuchung erfolgt sei. Doch die war nie passiert. Das Geld sollte also normalerweise eingegangen sein.

Ich fragte ihn, ob er seine Kontoauszüge einsehen könne und wies ihn auf das Datum hin, wann der Betrag eingegangen sein sollte. Er meinte nur sehr undeutlich, dass er keine Kontoauszüge habe, sondern nur mit seinem Bankberater gesprochen hatte. Dieser hätte ihm versichert, dass kein Betrag mit einer Summe von 350 Euro auf seinem Konto gelandet sei.

So langsam wurde ich nachdenklich. Suljo war am Telefon zwar schwer zu verstehen, weil er undeutlich spricht und sich oft verhaspelt, aber dennoch kann ich sagen, dass er stets freundlich war. Zudem hatte ich seine Ausweiskopie; zwar nicht die Adresse, denn die steht ja auf der Rückseite, aber immerhin die Ausweisnummer. Nun erschien mir weiterhin ein Aspekt seltsam: Bevor ich ihn selbst am Telefon erreichen konnte, ging einmal seine Mailbox ran. Dort meldete er sich mit “Suljo Maric” (keine Ahnung, ob man das so schreibt!).Zudem war die E-Mail von einer gewissen Alyna Behaderovic geschrieben worden, die angeblich seine Verlobte sei, wie er mir mitteilte.

Mein nächster Schritt war, ihn zu bitten, sich selbst seine Auszüge zu besorgen und mal einen Blick drauf zu werfen. Er bejahte wieder und ich ärgerte mich schon ein bisschen, da es mir jetzt schon stressiger wurde als ich wollte. Zudem war mir unverständlich, warum ich ihn darauf hinweisen musste, einmal selbst seinen Kontoauszug zu prüfen. Schließlich ist er erwachsen genug.

Als zwei Tage später eine SMS kam mit den Worten “Geld nicht da”, seufzte ich, sah nochmals auf meinem Konto nach und sah wieder keine Rückbuchung. Also rief ich ihn an. Er scheint sehr beschäftigt zu sein, denn das Handy ist nicht sehr oft an. Zudem hatte er nun eine andere Handynummer. Ich kam erst am Abend durch. Ich bat ihn, mir den Namen seines Bankberaters zu geben. Den wusste er leider nicht auswendig; er konnte ihn nach kurzem Überlegen jedoch aussprechen, mir aber nicht sagen, wie man ihn schreibt (schien kein eingängiger deutscher Name zu sein).

Als mittlerweile einige Tage rum waren, hatte ich die Nase schon halb voll. Ich wandte mich an meine Bank und veranlasste einen Nachverfolgungsauftrag. Am 04.11. bekam ich dann die Bestätigung einer Mitarbeiterin der Sparkasse Tuttlingen per Fax, dass das Guthaben ordnungsgemäß am 25.10.2011 gutgeschrieben worden sei.

 

Ergebnis des Nachverfolgungsauftrages

Mit dieser Bestätigung rief ich Suljo wieder an. Er entschuldigte sich und berief sich nur auf seinen Berater. Er selbst habe aufgrund Zeitmangels nie selbst nachsehen können und musste deshalb diesem vertrauen. Er meinte nun, dass er das iPad lossenden würde. Da es nicht für mich gedacht war, gab ich dem Verkäufer die Adresse des neuen Eigentümers und bat ihn, mir eine Sendungsnummer zu geben, nachdem er das Paket versandt hatte. Auch dieses Mal bestätigte er mir dies.

Das erste Paket, das nie ankam

Natürlich erhielt ich keine Sendungsnummer. Da er das Paket scheinbar per Express versendet hatte, sollte es innerhalb kürzester Zeit da sein. Ich wartete also, schrieb ihm aber erneut, dass er mir noch die Sendungsnummer schuldete. Stattdessen bekam ich vier Tage später die Nachricht, das Paket sei zurückgekommen, da niemand bei Anlieferung angetroffen wurde. Seltsam. Versucht die Post es nicht mehrere Male und hinterlässt eine Benachrichtigung? Laut neuem Eigentümer war weder eine Benachrichtigung noch sonst eine Nachricht der Post oder eines Nachbars vorhanden.

Mittlerweile war es nur noch eine Last. Ich wollte eigentlich nur noch Ruhe.

Das Treffen, das nie zustande kam

Ich meldete mich nochmals bei ihm und schlug ihm vor, dass wir das Ganze jetzt persönlich regeln sollten. Er hatte nichts dagegen und schlug vor, zu mir zu kommen, anschließend könnten wir ja noch was essen gehen. “Lustiger Kerl”, dachte ich. Er würde mich zwecks eines Termins am kommenden Tag bis 14 Uhr anrufen. Der Anruf kam nicht, und kurz vor zwei rief ich ihn an. Sein Handy meldete Unerreichbarkeit.

Als der Termin verstrichen war, sprachen wir erst am nächsten Tag wieder miteinander. Leider war er nun schon so ausgebucht, dass ein Treffen nicht mehr möglich sei. Auf mein Fragen wich er jedenfalls ständig aus.

Mein Besuch bei ihm, der nie stattfand

Nun kam es so, dass ich am Wochenende des 13.11. in seiner Nähe war. Als ich ihm mitteilte, ich wolle das Gerät abholen, war er wieder stark verhindert, da er am Samstag davor seine standesamtliche Hochzeit hatte und nun zu Tisch sei. Es war 22.00 Uhr. So langsam wurde es mir zu blöd und ich konfrontierte ihn mit dem Verdacht des Betrugs.

Er wurde wieder bockig und meinte, ich könne doch zur Polizei gehen, wenn ich wolle. Er habe alles richtig gemacht und betrüge niemanden, da er Moslem sei und sein Glaube ihm Lug und Betrug verbiete. Herrlich, wie jetzt sogar seine Religion herhalten musste.

Das iPad 2 erhielt ich an diesem Abend also nicht mehr. Weil ich mich genug aufgeregt hatte, liess ich die Sache erst einmal über Nacht ruhen.

Als ich auf einem Städtetrup in Berlin war, meldete ich mich nochmals bei ihm und gab ihm eine letzte Möglichkeit, mir das Gerät zuzusenden oder mir endgültig das Geld zurückzuschicken. Er entschied sich für den erneuten Versand.

Ich sagte ihm also, er solle es bitte nochmals versenden, diesmal direkt an mich, und mir auf jeden Fall diesmal eine Sendungsnummer geben. Wiederum war er am Telefon freundlich und offen und bestätigte mir meinen Wunsch klar, aber undeutlich.

Nun liess ich nicht mehr locker. Ich fragte jeden Tag an, ob er schon versendet habe. Zwei Tage später erhielt ich ein “Ja”. Wo denn dann die Sendungsnummer sei, wollte ich wissen. Er würde mir diese am Abend zustellen, versicherte er mir. Was er mir dann zustellte, war das:

 

Die Sendungsnummer. Alles klar.

Ob Ihr’s mir glaubt oder nicht, ich musste jetzt echt lachen. Ich fragte ihn klipp und klar, ob er mich verarschen wolle. Erst nach fünf mal Nachfragen sendete er mir dann folgendes:

 

Das ist - auch nicht die Sendungsnummer.

Was ich denn mit der Nummer anfangen solle, wollte ich von ihm wissen. Er meinte, es tue ihm leid, etwas anderes habe er nicht bekommen. Ich wollte wissen, warum er mir nicht den ganzen Zettel mit dem Datum geschickt habe sondern nur den unteren Teil. “Das war der Ganze”, schrieb er.

Mein Verbrauch an  SMS war inzwischen deutlich höher als in den letzten 6 Monaten zusammen. Ich lud ihn deswegen ein, anstatt über SMS lieber die kostenlose Variante WhatsApp zu nutzen. Er ging wieder darauf ein.

Und mir blieb wieder nichts übrig als zu warten.

Das zweite Paket, das nie ankam

Adresse, fälschlicherweise erhalten

Und wie Ihr bereits vermutet – kam kein iPad. Ich rief also an und fragte, was los sei. Er wisse es auch nicht, habe aber auch langsam keine Lust mehr. Ja, er wurde sogar ungehalten darüber, dass ich ihn so nerve. Er wollte die ganze Sache nun an einen Freund abgeben, damit der sich mit mir unterhalte, tat es dann aber doch nicht.

Stattdessen bekam ich über WhatsApp seinen Standort geschickt. Fälschlicherweise, denn der war  nicht für mich gedacht. Jetzt hatte ich neben seinem Ausweis, seinen Kontodaten und dem Namen seiner Verlobten (oder auch nicht, wer weiß das schon), seine Adresse.

Ich fragte mich hier wirklich, ob ich einen einen Betrüger geraten sei. Schließlich war er fast immer ehrlich und zuvorkommend. Ja, er kam mir nicht wie ein Betrüger vor, sondern einfach nur selten doof und nicht imstande, einen Postversand auf die Reihe zu kriegen.

Die Rückerstattung, die nie ankam

Da ich sah, dass ich das iPad immer noch nicht hatte, drängte ich ihn dazu, mir das Geld zurückzusenden. Per SMS – diesmal wieder von einer neuen Nummer, also schon die Dritte – teilte er mir mit, er habe das Geld am Mittwoch, den 23.11. überwiesen. “Okay”, dachte ich, “dauert 2 Tage und dann ist es da und ich hab endlich meine Ruhe”.

Pustekuchen. Heute ist Montag, und nichts ist angekommen.

Jetzt bin ich am Zug

Habe ihn heute natürlich wieder mit dem Sachverhalt konfrontiert. Zuvor jedoch habe ich den gesamten Tatherlauf dokumentiert und alle Mails, das Quoka-Inserat, sein Ausweisbild, die Bankbestätigung usw. ausgedruckt und für meinen Anwalt fertig gemacht.

Er redete sich wieder heraus, ermutigte mich sogar, zur Polizei zu gehen. Ich solle denen seine Nummer geben, er regelt das. Ich fragte ihn, ob er seine Ehe wirklich mit so viel Stress beginnen wollte. Denn ich gebe ihm jetzt noch eine allerletzte Chance. Wenn ich bis Mittwoch keinen Geldeingang sehen würde, lasse ich ab dann alles über meinen Anwalt regeln. Dann hätte er noch weniger Zeit als bisher schon. Ihm war das gleich.

iPad anderweitig verkauft

Im gleichen Satz teilte er mir mit, wie problemlos der Verkauf des iPads mit einem anderen Kunden verlaufen sei. Ich wurde laut:” Wie bitte? Du hast MEIN iPad an jemand anderen verkauft?” -”Ja, nachdem du gesagt hattest dass du dein Geld zurück willst habe ich es verkauft.” Ich schlug mir die Hand vor den Kopf. “Und du sagst mir nichts davon, dass das iPad scheinbar wieder zu dir zurückgekommen ist, nachdem du es an mich gesendet hast?” Keine Antwort. Bis jetzt nicht.

Und nun heißt es: Gedulden bis Mittwoch. Im Gegensatz zu den Menschen um mich herum stufe ich ihn noch immer nicht als Betrüger ein, sondern als Menschen, der nichts auf die Reihe kriegt. Wie er die Quoka-Anzeige geschaltet hat, weiß ich nicht. Ich hoffe, seine Frau hat die Hosen an, sonst sehe ich schwarz…

Wie immer, halte ich euch hier auf dem Laufenden. Sobald der Anwalt eingeschaltet ist, geht das Ding in die nächste Runde. Heißt für mich: Wieder was dazugelernt.

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8 Meinungen zu “Das iPad 2, das nie ankam”

  1. Christian P 28 November 2011 at 20:01 #

    Hey du tust mir übelst leid. Er macht nicht nur dich verrückt sondern kommt ausgerechnet noch aus Tuttlingen, meiner geliebten Stadt und bringt eine solche Schande über sie. Respekt deiner Geduld ;)

  2. Ochsner 28 November 2011 at 20:09 #

    servus,

    also für mich sieht das schwer nach betrug aus! Hoffe jedoch nur das BESTE für Dich / Ihn !!

    lg philipp
    http://www.news-magazin.ch

  3. Ina 29 November 2011 at 13:25 #

    Boah, sprachlos…

  4. Matthäus 29 November 2011 at 13:25 #

    Hahahah – wie schön, dass nicht nur mir so Sachen passieren.
    Ich hatte mal nen Unfall-Roller bei ebay ersteigert. für ca. 75€
    Alles was ich bekam war ne gebrauchte Hupe (wahrscheinlich von dem Unfall-Roller…).

  5. rob 29 November 2011 at 13:27 #

    Haha, auch cool. Aber glaub mir, mit diesem Eintrag bei google wird er lange zu kämpfen haben.

  6. Matthäus 29 November 2011 at 13:28 #

    na hoffentlich :)

  7. Patrick 29 November 2011 at 13:29 #

    Ganz ehrlich…der Typ IST ein Betrüger. So verpeilt kann man doch gar nicht sein!

  8. Kate 29 November 2011 at 13:29 #

    So Geräte kauft man im Laden und nicht bei irgendwelchen Polen oder sonst was muhahahahah

Wie ist deine Meinung dazu?


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